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Was kann man tun, wenn mein Kind aggressiv in der Schule ist
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[TIPPS SCHULKIND] Was kann man tun, wenn mein Kind aggressiv in der Schule ist


Grundprinzipien der Aggression

Genetische Voraussetzungen und (soziale) Umwelteinflüsse bestimmen das Verhalten eines Menschen. In welchem Verhältnis – darüber streiten sich seit Jahrzehnten Biologen (Genetiker) und Soziologen (Psychologen). Wie genau dies der Fall sein kann, wird an zwei Forschungen in diesem Beitrag benannt. Sehr viele Arbeiten gibt es jährlich über dieses Thema – zwei Punkte stimmen jedoch immer und grundsätzlich:

 

(1) Fühlt sich ein Kind jahrelang (!!) nicht in seinen (möglicherweise auch nicht aus der Perspektive eines Erwachsenen nachvollziehbaren) emotionalen Bedürfnissen ernst genommen, entlädt sich diese gefühlte Ablehnung in Aggressivität (weil es – wie unter emotionalem Unterdruck stehend – "auch einmal" Anerkennung möchte, nur eben auf dem falschen Weg)

 

(2) Sind Eltern noch von ihren Eltern mit Schlägen erzogen worden, schlagen sie vielleicht heute nicht mehr, weil ja die Prügelstrafe 1980 abgeschafft wurde. Jedoch das "Schlagen mit Worten" vergaß man vor 30 Jahren. Alles, was in irgendeiner Weise mit "Gut" oder "Böse", mit "Gehorsam" oder "Strafe", mit "Verboten" in der Erziehung zu tun hat – erfährt das Kind als schwere psychische Verletzung und gibt diese dann weiter: auf der Straße, in der Schule, auf dem Fußballfeld, im Zerstören von Gegenständen.

 

Der Teufelskreis in der Familie

Diese oben genannten Grundprinzipien gehörten auch noch mit zu den Ergebnissen, die Prof. Dr. Lehmkuhl mit Mitarbeitern (Klinik Köln, Psychiatrie, Psychotherapie, Kinder, Jugendliche, bundesweite Studie) im Jahre 1997 als äußerst wichtig feststellen konnte. Nämlich: Die Erziehungsmaßnahmen von Eltern seien widerspruchsfrei – sonst, so wurde nachgewiesen, "folgen" die Kinder nicht, worauf die Eltern "böse" werden, worauf die Kinder wieder negativ reagieren. Darauf werden Eltern wieder aggressiv, was zur außerfamiliären kindlichen oder jugendlichen Aggressionsentladung führte: Es war Lehmkuhls Aufgabe damals, scheinbar unabhängige Kommunikationsprozesse der Beschuldigung, des Trotzes, der Ablehnung als eine miteinander verflochtene "Teufelsspirale" beschreiben zu können. Erfolgreicher Verhaltenstherapie-Vorschlag war immer (so Familien darauf eingingen): Werden sich Familienmitglieder bewusst, wann sie einander verletzen – und tun sie dies therapiegeleitet – können bestimmte Strukturen "zu Hause" positiv verändert werden, sodass sie nicht mehr "nach außen" ihr Ventil finden.

 

Aggressivität vererbt sich

Wie der niederländische Genetikwissenschaftler Han Brunner im Jahre 1993 bereits feststellte, liegt eine wesentliche Ursache der Aggressivität eines männlichen Menschen in seinen Erbanlagen. Das heißt nicht im Geringsten, dass eine solche Person dies nun "entschuldbar" während ihres Lebens durchführen dürfte – das heißt jedoch, dass eine klassisch vererbte Verhaltensstörung (vergleichbar mit ADHS, Borderline, manischer Depression usw.) vorliegt, die durch bestimmte Ernährungs- und Medikamententherapien geregelt werden könnte. Oder natürlich: Sollte man (und genau das war der Ansatzpunkt des Wissenschaftlers damals) im Urin eines Kleinkindes ein Übermaß der Neurotransmitter Dopamin, Serotonin und Adrenalin feststellen, kann man natürlich mit einer sehr intensiv liebevollen Erziehung während der ersten zehn Lebensjahre noch beeinflussen, dass sich die emotionalen Kapazitäten eines Kleinkindes noch "in die richtige Richtung" bewegen. Fachlich ausgedrückt wiesen die Ergebnisse aus dem Jahr 1993 darauf hin, dass ein MAO-Gen (ein Gen, welches Monoamino-Oxidase produziert und überhaupt erst die oben genannten Neurotransmitter im menschlichen Körper chemisch ermöglicht) über Generationen hinweg mit einer Fehlfunktion behaftet war und die Voraussetzungen für eine erhöhte Gewaltbereitschaft legte.

 

(Über die Forschungen Brunners hinaus ist ja bekannt, dass Kinder, die in der emotionalen Prägephase der frühkindlichen Gehirnentwicklung einen Extremfall von Gefühlskälte erfahren (Scheidung, Tod eines nahestehenden direkten Familienmitglieds, Autounfall, etc.) und dies nicht therapeutisch nacharbeiten dürfen, dann erst eine solche (Aggressions-)Störung entwickeln können.)

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