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Waldorfschulen
[NEWS] Waldorfschulen
13. September 2010
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Wie alles begann...

 

Im Jahre 1919 trat Emil Molt an Rudolf Steiner heran, einen Vortrag in seiner Fabrik zu halten. Emil Molt war seinerzeit Unternehmensleiter der Zigarettenfabrik Waldorf-Astoria in Stuttgart und von dem Gedanken getragen, für die Kinder seiner Arbeiter eine Schule mit sozialen Idealen zu gründen. Rudolf Steiner (1861-1925) hatte sich seinerzeit einen Ruf als Philosoph und Esoteriker geschaffen, auch bereits die Anthroposophische Philosophie (über die Verbindung des Menschen mit dem Übersinnlichen) und die entsprechende Gesellschaft gegründet, die heute noch besteht.

 

91 Jahre später, nämlich heute:

 

Diese Zusammenhänge nun waren Anlass zur ersten Waldorfschule 1919 in Stuttgart. Bis heute handelt es sich um eine reformpädagogische Schulform (Ersatzschule), die den Schüler 12 Jahre lang begleitet, deren Abschluss jedoch nicht in der Bundesrepublik anerkannt wird; generell besteht das letzte Jahr des Unterrichts in der Abiturvorbereitung, die dann von der Hälfte der Schüler an einer staatlichen Schule durchgeführt wird. Rund 1.600 Euro Schulgeld pro Jahr werden für gewöhnlich verlangt, jedoch wird es stets erlaubt, dass ein Geschwisterkind nachfolgt. Im Jahre 2009 existierten 994 Waldorfschulen weltweit, 213 (die meisten davon) in Deutschland, 130 in den USA, 92 in den Niederlanden. Es bestehen ebenfalls Waldorfkindergärten. Die Freie Hochschule Stuttgart bietet ab 2009 den Studiengang "Waldorfpädagogik" an – einen Schuldirektor gibt es nicht, sondern die Schulen basieren auf dem Prinzip der Kollegialverwaltung.

 

Steiner erfindet Entwicklungsphasen des menschlichen Seins (und anderes)

 

Rudolf Steiner hatte eine Philosophie entwickelt, die gewisse Geistestraditionen willkürlich und subjektiv miteinander verwebt und letzten Endes darauf hinzielt, dass der Mensch nach seinem Tode wiedergeboren wird, generell mit Wechsel des Geschlechts bzw. auch der ethnischen Zugehörigkeit. Bis es jedoch so weit sei, so Steiner, durchlaufe der Mensch sein Leben in siebenjährigen Perioden. Die Erste sei von Nachahmung bestimmt: Deshalb werden auch in den entsprechenden Kindergärten Routine, Wiederholung und Einprägen (etwa von immer wieder erzählten Geschichten) geübt. In der zweiten Periode nun sei der Mensch offen für Lern-, Denk- und Gedächtnisaufgaben: Fantasie möge hier von Erziehern unterstützt und gefördert werden; denn der Mensch sei nun auch bereit, Vorbildern zu folgen. In den nun folgenden sieben Jahren (bis 21) sei nun der Mensch dazu ausgebildet, die Wahrheit zu suchen und sich ein Urteil über das Wahrgenommene zu bilden.

 

In seinen Schriften (42 Bände, 6.000 Vorträge) über alle fachlichen Themen (er beschäftigte sich mit Naturwissenschaften, Literatur, Philosophie, Sport) sind an 62 Stellen rassistische Äußerungen niedergelegt, die eine ethnische Gruppe in ihrem Wert einer anderen höher stellen. Steiner war ebenfalls der Überzeugung, dass es Menschen seit der Entstehung der Erde gibt – allerdings zunächst in spirituellen Formen. Die derzeitige Form des Wesens "Mensch" nennt er die "Europäisch-Amerikanische", sie werde bis zum Jahre 3573 n. Chr. seiner Ansicht so weitergeführt, bevor die Menschheit wieder mit hellseherischen Fähigkeiten versorgt werde, die sie bereits in der Antike einmal besessen habe.

 

Unterricht für den ganzen Menschen – Kulturerziehung nach humanistischem Vorbild

 

1919 sah der Lehrplan folgende Fächer vor (die in die Kategorien wissenschaftlich, sprachlich und künstlerisch unterteilt werden): Englisch/Französisch, Latein, Griechisch, Eurythmie (eine von Steiner erfundene Körpermeditationstechnik), Sport, Religion, Singen, Instrumentalmusik, Handarbeit, Stenografie, Handwerk. Sicherlich gibt es Abwandlungen heute, jedoch generell ist eine auffällige Flächendeckung weltweit hier zu beobachten. Bis Klasse 8 gibt es keine Noten, sondern formulierte persönliche Schulzeugnisse, die die positiven Fortschritte des Einzelnen hervorheben und auch Leistungen würdigen, die an Regelschulen nicht gewürdigt worden wären – Schüler können an Waldorfschulen nicht sitzen bleiben, weil sie gleichermaßen gefördert werden. Wie genau hängt von ihren persönlichen Veranlagungen und Entfaltungspotenzialen ab, die sie erkennen lassen. Jedoch: Ab Klasse 9 oder auch erst ab der 10 ist nach Wunsch ein Nummernzeugnis möglich; Noten vereinfachen auch die Bewertung von fremdsprachlichen Schülerleistungen wie z. B. Vokabeltests oder anderen Fachklausuren.

 

Rhythmisch gegliedert und ritualisiert sind der Tag, die Woche, der Monat, das Jahr an einer Waldorfschule. Das Lernumfeld ist mit naturnaher Architektur bedacht, jede Klasse bringt monatlich Theaterspiele zur Aufführung, auch Orchesterkonzerte einzuüben gehört zum Unterricht – Monatsfeiern und Schulfeste rahmen und stärken das Gefühl der Zusammengehörigkeit und der übergeordneten Rahmung. Schüler erhalten weiterhin Unterricht im Gartenbau: es soll erzielt werden, dass sie gleichermaßen die Menschheit als solche in verschiedenen Entwicklungsstufen am eigenen Leibe erfahren.

 

Die oben bereits erwähnte "Eurythmie" ist im Sinne Steiners eine Art, den Körper durch Gesten zu Sinninhalten, Lautabfolgen, Sätzen, Melodien und vorgegebenen Motiven zu bewegen. Grundregeln und Stilmethoden stehen dem Akteur hierbei zur Verfügung, er darf sich auch mit Lauten und Sprache ausdrücken. Dies nennt sich dann Spracheurythmie. Das Erlernen dieser Bewegungsabfolgen ist für jeden Waldorfschüler Pflicht.

 

Informationen zu der Waldorf-Pädagogik, Waldorfschulen weltweit:

http://www.waldorfschule.info/

 

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