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[NEWS] Ernährung: Vitamin B1 (Thiamin) in der Schwangerschaft, Stillzeit und bei Kindern
14. November 2011
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Die gute Nachricht zuerst: In Deutschland ist eine Unterversorgung mit Vitamin B1, auch Thiamin genannt, äußerst selten. Wenn sie doch einmal auftritt, lässt sie sich durch ausgewogene Ernährung leicht ausgleichen. Nun die schlechte Nachricht: Wer an einer chronischen Unterversorgung an Vitamin B1 leidet, der bekommt über kurz oder lang echte Probleme. Dauerhaft zu wenig Thiamin hat Veränderungen am Herz-Kreislauf-System zur Folge, beeinträchtigt das Nervensystem und führt zur Depression. Da ist es besser, man beugt vor und schmiert sich schnell ein leckeres Brot. Backwaren sind nämlich eine gute Vitamin-B1-Quelle. Voraussetzung ist allerdings, dass sie mit Vollkornmehl gebacken wurden.

Thiamin ist gleich auf mehreren Ebenen lebenswichtig für den Körper. Zum einen spielt das Vitamin eine bedeutende Rolle beim Verstoffwechseln von Zucker und Fett. Ohne Thiamin könnte der Körper die Nahrung nicht verwerten, also keinerlei Energie aus Lebensmitteln gewinnen. Bei den Stoffwechselprozessen ist Thiamin eine unerlässliche Hilfe, damit einige Enzyme ihre Arbeit tun können. Das Vitamin wird aus diesem Grund auch als Ko-Enzym bezeichnet. Zum anderen ist B1 auch erheblich daran beteiligt, wenn Erregungsreize vom Nerv auf den Muskel übertragen werden. Sowohl das Nervenkostüm als auch der Bewegungsapparat brauchen Thiamin also ganz nötig. Je mehr sich jemand körperlich anstrengt, desto höher wird sein Bedarf an Vitamin B1. Schwere körperliche Arbeit und Leistungssport sind ohne Thiamin undenkbar.

Die wichtigsten Quellen für Vitamin B1

Vitamin B1 gehört zur Gruppe der wasserlöslichen Vitamine und kann deshalb weder lange noch in größeren Mengen im Körper – der ja bekanntlich zu einem Großteil aus Wasser besteht – gespeichert werden. Um ausreichend versorgt zu sein, muss Thiamin also regelmäßig über die Nahrung zugeführt werden. Die besten Quellen dafür sind schnell gefunden und leicht zugänglich. Etwa ein Viertel des Bedarfs wird in Deutschland allein über Backwaren gedeckt. Dabei sollte man bedenken, dass vollwertiges Brot oder Gebäck deutlich mehr Thiamin liefert als Brot aus weißem Mehl. Aber auch Schweinefleisch und Leber sowie Fische wie Scholle und Thunfisch haben es in sich. Vegetarier setzen verstärkt Kartoffeln, Reis und Hülsenfrüchte auf den Speiseplan, wenn sie meinen, dass sie ihre Vitamin B1-Zufuhr erhöhen müssten. Auch Obst und Gemüse enthalten Thiamin, gehören allerdings nicht zu den Hauptlieferanten.

Wer braucht wie viel?

Die DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V.) setzt die Maßstäbe, wenn es um die Aufnahme von Vitaminen und anderen Vitalstoffen geht. Bei Thiamin ist die Sache etwas komplizierter als bei anderen Vitaminen, da der Bedarf je nach Aufnahme und Kohlehydraten und nach Energiezufuhr schwankt. Grundsätzlich wird aber die Aufnahme von 1,0 bis 1,3 Milligramm B1 von der DGE empfohlen. Dabei kann man generell davon ausgehen, dass Männer mehr B1 brauchen als Frauen und junge Menschen mehr benötigen als ältere. Wer es einmal ganz genau wissen möchte, der kann seinen Vitamin-B1-Gehalt im Rahmen einer Blutprobe ermitteln lassen. Nachfolgend werden genaue Werte für alle Altersgruppen in Milligramm aufgelistet. Wenn zwei Werte in einer Zeile aufgeführt werden, gilt der erste für Männer, der zweite für Frauen:

– bis vier Monate: 0,3

– 4-12 Monate: 0,4

– 1-4 Jahre: 0,7

– 4-7 Jahre: 1,0

– 7-10 Jahre: 1,1

– 10-13 Jahre: 1,2

– 13-15 Jahre: 1,4 / 1,2

– 15-18 Jahre: 1,6 / 1,3

– älter als 18 Jahre: 1,3 / 1,1.

Schwangere rechnen zu ihrem jeweiligen Lebensalter-Bedarf einen Zusatzbedarf von 0,4 Milligramm hinzu; in der Stillzeit erhöht sich der zusätzliche Bedarf dann sogar um plus 0,6 Milligramm. Einen erhöhten Bedarf haben aller Wahrscheinlichkeit nach auch Raucher. Stress, die Einnahme von Medikamenten, die Antibabypille sowie erheblicher Konsum von Alkohol führen ebenfalls dazu, dass der Körper mehr Vitamin B1 benötigt. Da Thiamin wasserlöslich ist und deshalb nicht vom Körper gespeichert werden kann, ist es sehr schwer, dieses Vitamin zu überdosieren. Der Körper scheidet nämlich einfach alles aus, was er nicht braucht. Die Zufuhr kann deshalb in "Notzeiten" bis zu täglich 5 Milligramm unbedenklich gesteigert werden.

Polierter Reis und seine Folgen

Wie wichtig Vitamin B1 tatsächlich ist, wurde erst klar, als man in Südostasien damit begann, den Reis zu "polieren", was bedeutete, dass die Schale vom Korn getrennt und weggeworfen wurde. Reis, das ist bekannt, ist das Hauptnahrungsmittel in Asien. Es dauerte nicht lange und ein neues Krankheitsbild trat auf, das den Namen "Beriberi" bekam. Beriberi hört sich lustig an, ist aber sehr gefährlich. Symptome der Krankheit sind Atemnot und ein schneller Puls, sie kann zu Herzschwäche, Nervenschmerzen, Muskelschwäche und Muskelschwund führen. Eine häufige Begleiterscheinung von Beriberi sind Ödeme (Wasseransammlungen im Körper) sowie psychische Veränderungen beim Patienten. Das kann mit Müdigkeit beginnen und über Konzentrationsmangel und Reizbarkeit bis hin zur Depression führen. Was das alles mit poliertem Reis zu tun hat? Nun, in der Schale des Reiskorns, so weiß man heute, sitzen die wertvollen Vitamine. Mit ihrem Wegfall – hier mit dem Wegfall von Thiamin – kam die Krankheit. In Deutschland trat die Krankheit übrigens auf, als eine Zeit lang Mehl extrafein gemahlen wurde. Heute kommt Beriberi in Deutschland so gut wie gar nicht mehr vor. In Ländern der Dritten Welt dagegen ist sie noch weit verbreitet. Obwohl eine echte Unterversorgung mit Vitamin B1 in Deutschland nur in absoluten Einzelfällen vorkommt, sind leichte Mangelerscheinungen doch hie und da zu beobachten. Sie werden meistens durch eine ungesunde Lebensweise hervorgerufen. So erhöht zum Beispiel übermäßiger Alkoholgenuss den Bedarf an Vitamin B1. Da Alkoholsucht oft mit schlechter Ernährung Hand in Hand geht, wird ein Thiamin-Mangel noch wahrscheinlicher. Auch Stress verlangt nach zusätzlichem Vitamin B1. Ob der Stress dabei durch eine Überlastung bei der Arbeit oder durch Kummer und Sorgen verursacht wird, spielt keine Rolle.

Wer es nicht schafft, genug Vitamin B1 mit einer gesunden Mischnahrung zu sich zu nehmen, der findet Hilfe in der Apotheke. Das Vitamin B1 ist nämlich auch als Nahrungsergänzungspräparat im freien Handel erhältlich. Da kann man dann manchmal auch noch zusätzliche Anwendungsgebiete auf den Beipackzettelchen entdecken. Danach soll Thiamin auch den erhöhten Vitaminbedarf nach zu vielen Tassen Kaffee oder Tee decken. Ferner wird es als Hilfsmittel angeboten, wenn man unter einer Gürtelrose leidet. Auch gegen die Reisekrankheit soll es helfen. Empfohlen wird eine erhöhte Zufuhr von Thiamin zudem bei schwierigen persönlichen Problemen. Das reicht von Prüfungsangst über die Bewältigung persönlicher Verluste bis hin zur Überwindung eines Traumas nach einer Operation.

Bevor man allerdings zur Selbstmedikation greift, sollte ein Arzt zurate gezogen werden.

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