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[NEWS] Ergotherapie für Kinder
22. Februar 2010
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Allgemeines zur Ergotherapie


Mit Hilfe der Ergotherapie sollen die Prozesse der Wahrnehmung der Kinder gefördert werden. Darüber hinaus sollen auch die Handlungs- und Bewegungsmöglichkeiten unterstützt werden. Die Kinder, denen körperliche oder geistige Fähigkeiten fehlen, sollen im Alltag durch die Ergotherapie eine größtmögliche Unabhängigkeit erfahren und möglichst selbstständig werden. Es gibt dafür im Rahmen der Ergotherapie unterschiedliche Verfahren der Behandlung. In den Prozess der Therapie werden die Eltern stark eingebunden, denn die Erfolge, die in der Therapie erzielt werden, sollen nicht nur dort funktionieren, sondern auch in den Alltag übertragen werden können. Die Eltern erhalten dafür Tipps von den Ergotherapeuten und lernen die grundlegenden Fakten über die Ergotherapie. Sie können somit ihr Kind zu Hause bei der Entwicklung unterstützen, was letzten Endes die gesamte Situation in der Familie entlasten kann. In die Therapie kann sogar das nähere Umfeld eingezogen werden, wie etwa die Schule oder der Kindergarten.


Verordnet wird die Ergotherapie von dem Hausarzt oder Kinderarzt, die Kosten trägt in der Regel die Krankenkasse. Allerdings ist hier auch Vorsicht geboten. Denn viele Ärzte sind gar zu schnell mit dem Rezeptblock und stellen eine Überweisung zur Ergotherapie aus, obwohl das Kind das gar nicht nötig hätte. Das Einholen einer zweiten Meinung kann im Zweifelsfalle ratsam sein.


Wann ist die Ergotherapie sinnvoll?


Verschiedene Indikatoren zeigen an, wann eine Ergotherapie bei einem Kind sinnvoll sein kann. Die eingeschränkte Entwicklung des Kindes zeigt sich zum Beispiel durch:

- Störungen des gesamten Ablaufs der Bewegungen
- Störungen der kognitiven Prozesse und der sensorischen und motorischen Entwicklung
- Störungen der Fähigkeit zur Wahrnehmung
- Störungen in der sozialen Entwicklung
- Verhaltensstörungen
- Sinnesstörungen
- Lernstörungen
- Störungen in der Wahrnehmung des eigenen Körpers
- Störungen in der Feinmotorik
- Probleme mit dem Gleichgewicht
- Körperliche oder geistige Behinderungen

Diese Symptome müssen nicht auftreten, werden aber als wichtiges Zeichen für die Notwendigkeit einer Ergotherapie gesehen. Die Kinder werden teilweise nicht allein durch die Ergotherapie behandelt, sondern diese findet in Zusammenarbeit mit der Psychotherapie statt.


Wann sollte die Ergotherapie beginnen?


Je früher die Ergotherapie begonnen wird, desto größer sind die Erfolgsaussichten. Die Therapie schlägt erfahrungsgemäß umso besser an, je jünger das zu behandelnde Kind noch ist. Dennoch beginnen die meisten Ergotherapeuten nicht mit ihrer Arbeit, ehe das Kind den vierten Geburtstag gefeiert hat. Ausgenommen davon sind Frühchen, die motorische Probleme aufweisen. Die Therapie selbst dauert unterschiedlich lange und kann von wenigen Monaten bis hin zu zwei Jahren dauern. Meist wird ein- oder zweimal pro Woche mit dem Kind gearbeitet, jede Therapiestunde dauert eine dreiviertel bis eine Stunde.


Welche Therapieansätze gibt es?


Unter der Bezeichnung Ergotherapie werden verschiedene Verfahren zur Therapie zusammengefasst. Bei Kindern wird in erster Linie die so genannte Sensorische Integrationstherapie angewendet. Sie basiert auf der Annahme, dass Kinder zuerst einmal in der Lage sein müssen, die Reize aus der Umwelt zu verarbeiten, was aber erst gelingen kann, wenn sie ihren Körper richtig wahrnehmen können. Aus therapeutischer Sicht haben alle Kinder, die das noch nicht können, eine Wahrnehmungsstörung. Mit Hilfe von Spielen wird das Kind nun bestimmten Erfahrungen ausgesetzt, die die Sinne stimulieren sollen. Es lernt dabei, mit verschiedenen Reizen richtig umzugehen und auf diese angemessen zu reagieren. Ein Beispiel für eine Übung ist das Schaukeln auf der Hängematte, wenn das Kind ansonsten Probleme mit dem Gleichgewicht hat.
Andere Möglichkeiten der Therapie werden durch das Therapeutische Malen oder durch das gemeinsame Spielen zur Verfügung gestellt.


Welche sind die Ziele der Ergotherapie?


Mit Hilfe der Ergotherapie sollen die Bewegungsabläufe des Kindes verbessert werden, außerdem wird die Koordination positiv beeinflusst. Das bedeutet, dass die Ergotherapie sowohl Einfluss auf die Grob- und auf die Feinmotorik nehmen kann. Ein weiteres Ziel ist, dass die Wahrnehmung mit Hilfe der verschiedenen Sinne verbessert werden soll, außerdem müssen die Reize verarbeitet werden. Kinder, die in der Ergotherapie behandelt werden, profitieren außerdem von verbesserten kognitiven Leistungen und von einer besseren Konzentration. Motivation und Neugierde werden gestärkt. Zudem hilft die Ergotherapie dabei, das Kind in der Umwelt zu integrieren und das Zusammenleben in der Familie zu erleichtern. Nicht selten gibt es nämlich im kompletten familiären Umfeld Probleme, wenn sich das Kind eben nicht so einfügen möchte, wie es das soll oder wie es von ihm erwartet wird. Allerdings ist nicht jedes „Defizit“, wie es von vielen Eltern und Familien angesehen wird, wirklich durch die Ergotherapie behandlungsbedürftig. Nicht alle Kinder müssen wegen ADHS behandelt werden, nur weil sie extrem aktiv sind. Diagnosen der Ärzte müssen auch hinterfragt werden.
Mit Hilfe der Ergotherapie soll dem Kind die Chance gegeben werden, eine größtmögliche Selbstständigkeit zu erreichen, es soll sowohl im Alltag, als auch in der Schule oder im Kindergarten allein zurecht kommen können.


Was ist noch wichtig?


Vor jedem Therapiebeginn muss das Kind eingehend untersucht werden, auch die Eltern werden zu Problemen und Störungen des kleinen Patienten befragt. Wurde eine Diagnose gestellt, so muss ein Plan aufgestellt werden, wie die Therapie verlaufen soll. Dazu wird das so genannte Canadian Model of Occupational Performance herangezogen. Zusammen mit dem Kind und den Eltern werden die problematischen Situationen im Alltag oder in der Schule sowie im Kindergarten herausgefiltert und analysiert. Es wird festgelegt, wo Handlungsbedarf besteht und an welcher Stelle angesetzt werden kann. Nun kann eine mögliche Therapie festgelegt werden. Sind die Ziele dann erreicht, so werden entweder neue Ziele festgelegt oder die Therapie kann beendet werden.


Und was machen die Eltern?


Die Eltern müssen den Ergotherapeuten darüber informieren, wie es um die Gesundheit des Kindes steht, welche Probleme es im Alltag gibt und wie die allgemeinen Lebensumstände sind. Sie legen zusammen mit dem Therapeuten ein Ziel für die Ergotherapie fest. Dann kann die Behandlung beginnen. Der Therapeut zeigt den Eltern, wie sie auch zu Hause mit dem Kind spielen und damit üben können, sie unterstützen also die Arbeit der Therapie. Sie helfen aber nicht nur dem Therapeuten, sondern natürlich in erster Linie dem Kind. Es soll den Sinn der Therapie verstehen können und braucht für die Übungen eine Anleitung. Außerdem kann es sich zusammen mit den Eltern über erste Erfolge freuen. Die Eltern informieren den Therapeuten wiederum über ihre Beobachtungen und über eventuelle Fortschritte zu Hause, in der Schule oder im Kindergarten.

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