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Rheumatische Erkrankungen bei Kindern (Juvenile chronische Arthritis) - Was ist Rheuma? - Wie erkennt man Rheuma?
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[KINDERKRANKHEITEN] Rheumatische Erkrankungen bei Kindern (Juvenile chronische Arthritis) - Was ist Rheuma? - Wie erkennt man Rheuma?

Was ist Rheuma?

 

Unter Rheuma versteht man allgemein eine Krankheitsgruppe, die den Bewegungsapparat betrifft - der Begriff umfasst damit also insgesamt circa 450 Erkrankungen. Dabei wird die Krankheit Rheuma meist mit Alterserscheinungen in Verbindung gebracht. Allerdings leiden auch Kinder an Rheuma - ungefähr 50.000 erkrankte Kinder und Jugendliche leben alleine in Deutschland. Damit gehören rheumatische Erkrankungen nach Asthma, Allergien und Diabetes zu den häufigsten chronischen Krankheiten im Kindesalter. Im engeren Sinne werden in dieser Altersgruppe entzündliche rheumatische Erkrankungen gemeint, die aufgrund autoimmuner Reaktionen erfolgen, da degenerative Erkrankungen nur bei schweren Fehlbelastungen im niedrigen Alter auftreten.

 

Trotz der Eingrenzung auf entzündlich-rheumatische Erkrankungen bleibt eine große Bandbreite an Rheumaarten für Kinder übrig, vor allem akute Gelenkentzündungen infolge einer Infektion. Als größter chronischer Vertreter ist die juvenile chronische beziehungsweise idiopathische Arthritis bei Kindern und Jugendlichen vertreten - sie ist mit etwa 1.000 Neuerkrankungen pro Jahr die häufigste chronische entzündlich-rheumatische Krankheit im jungen Alter. Ebenso bei Kindern möglich sind die rheumatische Iridozyklitis oder die sogenannte Schmetterlingskrankheit. Eine chronische Entzündung der Muskulatur, die auch Kinder und Jugendliche betreffen kann, ist die juvenile Dermatomyositis. Ist die Haut beziehungsweise Unterhaut betroffen, liegt eine Sklerodermie vor.

 

Die häufigste Form, die juvenile chronische Arthritis, kann dabei weiter unterteilt werden – in Abhängigkeit davon, wie sich die Krankheit in den ersten sechs Monaten entwickelt. Sind nicht mehr als fünf Gelenke von der Arthritis betroffen, spricht man von einer Oligoarthritis. Eine Rheumafaktor-positive und -negative Form gibt es bei der Polyarthritis, deren Begriff eine juvenile chronische Arthritis bei mehr als fünf betroffenen Gelenken umfasst. Außerdem gibt es bei einer vorliegenden Schuppenflechte eine weitere Unterform, die juvenile Psoriasisarthritis sowie bei betroffenen Sehnenansätzen und dem genetischen Merkmal HLA-B27 die sogenannte Enthesitis assoziierte Arthritis. Gehen mit der Erkrankung außerdem Fieber und Ausschläge einher, so liegt das Still-Syndrom oder auch systemische juvenile idiopathische Arthritis vor.

 

 

Wie erkennt man Rheuma?

 

Eine rheumatische Erkrankung bei Kindern und Jugendlichen ist nicht immer sofort und eindeutig zu erkennen. Viele Kinder haben in ihren Entwicklungsphasen sogenannte Wachstumsschmerzen, insbesondere in den Kniegelenken, die jedoch keinen pathologischen Hintergrund besitzen. Dauert die Beschwerdezeit jedoch mehr als sechs Wochen an, so ist eine Arthritis nicht auszuschließen. Diese Gelenkentzündung ist wichtigstes Erkennungsmerkmal des Kinderrheumas, da Abnutzungserscheinungen für die Beschwerden aufgrund des niedrigen Alters im Regelfall unmöglich sind. Diese Arthritis lässt sich auch durch ein äußeres Anschwellen des gesamten Gelenks erkennen. Zudem treten mäßige bis starke Schmerzen im betroffenen Bereich sowie Bewegungseinschränkungen des entsprechenden Gelenks auf, die häufig durch eine zusätzliche Sehnenscheidenentzündung verstärkt werden. Bei Kleinkindern, die nicht fähig sind, diese Symptomatik zu beschreiben, können Schwierigkeiten beim Greifen oder Krabbeln für Eltern augenfällig sein. Allerdings können diese Leitsymptome einer Arthritis insbesondere stark variieren. Gerade bei der juvenilen chronischen Arthritis können die verschiedenen Formen unterschiedliche Symptome ausbilden:

 

Die juvenile idiopathische Oligoarthritis umfasst normalerweise die für rheumatische Erkrankungen typischen Symptome. Die Arthritis betrifft meist die Kniegelenke, oft sind jedoch auch Ellenbogen oder Sprunggelenk betroffen. Nur sehr selten findet eine Gelenkentzündung in den Fingergelenken statt. Meist findet sich bei der Oligoarthritis ein Erguss in den betroffenen Gelenken, der jedoch nicht immer auf den ersten Blick ersichtlich ist. Zusätzlich kann bei dieser Form der juvenilen chronischen Arthritis auch eine Iridozyklitis auftreten, die zwar zu Beginn asymptomatisch verläuft, allerdings bei fehlender Behandlung bis zur Erblindung führen kann. Eine juvenile idiopathische Oligoarthritis kann außerdem in etwa 50 % der Fälle in eine Polyarthritis überlaufen.

 

Bei der juvenilen Rheumafaktor positiven Polyarthritis treten ähnliche Symptome auf wie bei Erwachsenen. Die Arthritis betrifft meist die Zehen- und Fingergelenke, aber auch die Hände. Grundsätzlich kann bei der Polyarthritis jedoch jedes Gelenk betroffen sein. Außerdem entstehen oftmals sogenannte Rheumaknoten, die sich jedoch nicht nur in den entsprechenden Gelenken, sondern auch in Organen befinden können. Oftmals geht mit dieser Form der rheumatischen Erkrankung bei Kindern auch eine Vaskulitis in den kleineren Arterien und Organen einher. Weitere mögliche Symptome sind Störungen im Wachstumsverlauf, völliger Wachstumsstillstand, Gewichtsverlust, Fieber und Lymphknotenschwellungen.

 

Die juvenile Rheumafaktor negative Polyarthritis weicht nur geringfügig von den Symptomen des Rheumafaktor-positiven Typus ab. Im Krankheitsverlauf geht der Arthritis meist mäßiges Fieber oder Gewichtsverlust voraus. Erst dann entsteht in den meisten Fällen eine Gelenkentzündung, die nur eine mäßige Schwellung bewirkt. Bewegungseinschränkungen sind dennoch vorhanden, meist in den Gelenken der Zehen, Finger und Hände. Nicht selten treten Beschwerden auch in den Kiefergelenken und an der Halswirbelsäule auf. Infolge der Arthritis kommt es zudem zur frühzeitigen Osteoporose sowie zu unproportionalem Wachstum.

 

Die juvenile Psoriasisarthritis zeichnet sich durch die neben den Symptomen der rheumatischen Arthritis typischen Erscheinungen einer Schuppenflechte (Psoriasis) aus. Dabei kann diese auch bei einem Verwandten ersten Grades vorliegen und muss nicht beim betroffenen Kind selbst auftreten. Neben den für die Hautkrankheit typischen Symptomen weicht das Krankheitsbild der juvenilen Psoriasisarthritis jedoch nicht von anderen Formen der juvenilen chronischen Arthritis ab. Einzig atypisch ist die mögliche Entzündung eines Knochens.

 

Die juvenile Enthesitis assoziierte Arthritis umfasst neben den für Rheuma typischen Symptomen auch über Beschwerden in den Sehnen und Bändern. Entsprechend häufig tritt diese Form der juvenilen chronischen Arthritis an den Fersen auf, welche die Ansatzstellen der Achillessehne gründen. Ebenso möglich sind jedoch auch Entzündungen an der Kniescheibe, an Füßen und Händen, am Steißbein, am Schienbein sowie am Beckenkamm. Diese treten vor allem nachts oder am Morgen auf und können zu starken Bewegungsbeeinträchtigungen und Fehlhaltungen führen. Die Arthritis selbst an jeglichen Gelenken der Beine denkbar, teilweise ist die Erkrankung eines ganzen Fußes möglich.

 

Die systemische juvenile Arthritis, auch unter dem Begriff Still-Syndrom bekannt, beginnt ebenfalls mit einem atypischen Krankheitsverlauf. Akutes hohes Fieber sowie ein kleinfleckiger und meist juckender Hautausschlag an den Oberarmen und den Oberschenkeln sind die Anfangssymptome. Hinzu können Beschwerden in der Halswirbelsäule auftreten. Es kann jedoch teilweise bis zu mehreren Monaten dauern, bis sich eine Gelenkentzündung einstellt; diese betrifft vor allem die größeren Gelenke. Zusätzlich treten oftmals Schwellungen der Lymphknoten auf; Leber und Milz schwellen ebenfalls an.

 

Oftmals führen die betroffenen Kinder auch anormale Haltungen und Bewegungen aus, um die Gelenke nicht zu belasten und Schmerzen zu vermeiden. Solche Schonhaltungen und Ausweichbewegungen im Alltag können ebenfalls Indiz für eine rheumatische Erkrankung des Kindes sein. An Rheuma erkrankte junge Patienten werden auch oft als faul angesehen, da sie viel getragen werden wollen und viel Bewegungen meiden. Wider der allgemeinen Meinung können bei einer rheumatischen Erkrankung bei Kindern auch Organe betroffen sein, sodass eine frühzeitige Erkennung der Krankheit und eine anschließende ärztliche Behandlung äußerst wichtig sind.

 

 

 

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