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Kleinwuchs - Wachstumsstörungen
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[KINDERKRANKHEITEN] Kleinwuchs - Wachstumsstörungen


Allgemeines

 

Ob zu klein oder zu groß – Wachstumsstörungen bei Kindern liegen dann vor, wenn die Körpergröße dem Muster stark abweicht. Bei einem so individuellen Faktor wie die Körpergröße muss entsprechend das Muster sehr tolerant sein. Im Durchschnitt wächst ein Säugling, der bei Geburt etwa 50 Zentimeter maß, im ersten Lebensjahr am schnellsten, dann fällt die Wachstumskurve bis zur Adoleszenz ab. Je nach Geschlecht fällt der Wachstumsverlauf zum Alter dann unterschiedlich aus.

 

In primärer Hinsicht kann die individuelle Wachstumskurve des Kindes von der Durchschnittskurve abweichen, jedoch nicht im Verlauf. Das erklärt auch die Problematik der Diagnose einer Wachstumsstörung – eine einzige Messung genügt in der Regel nicht. Da die Körpergröße ebenfalls von genetischen Voraussetzungen, Entwicklungsstand und Umwelteinflüssen abhängig ist, kann auch Kleinwuchs nur bedingt vorzeitig diagnostiziert werden. Auffällig ist hierbei meist eine unterdurchschnittliche Wachstums-Geschwindigkeit beziehungsweise eine kürzere Wachstumsphase. Kleinwuchs liegt dann vor, wenn die dritte sogenannte Wachstumsperzentile im Diagramm nicht (eindeutig) überschritten wird. Kleinwuchs infolge einer Wachstumsstörung unabhängig der Körpergröße der Eltern kann verschiedene Ursachen haben.

 

Ursache, Krankheitsbilder

Da die Körpergröße genetisch bedingt ist, verwundert es kaum, dass die Hauptursache für Minderwuchs bei Kindern familiärer Kleinwuchs ist. Wenn die Eltern eine stark abweichende Körpergröße haben, sind in der Regel auch die Kinder normabweichend. Ebenfalls genetisch bedingt kann eine konstitutionelle Entwicklungsverzögerung sein, die als ebenfalls häufige Ursache von Kleinwuchs zu nennen ist. Dabei sind die Wachstumsphasen gegenüber der Norm versetzt oder aber die Wachstums-Geschwindigkeit ist verringert, wodurch die Wachstumsphasen länger anhalten. Letztendlich erreichen diese Spätentwickler jedoch eine normenentsprechende Endgröße.

 

Es gibt jedoch auch zahlreiche Störungen und Erkrankungen, die Kleinwuchs beziehungsweise eine Wachstumsstörung verursachen:

 

Eine genetische Störung, wie Chromosomenanomalien oder Genmutationen, können ursächlich sein für eine bereits zur Geburt abweichenden Körpergröße oder einem später augenfälligen abweichenden Wachstumsverlauf. Hierzu gehört das Turner-Syndrom, wobei die betroffenen Kinder nur ein funktionsfähiges X-Chromosom besitzen und somit unter Kleinwuchs leiden. Bereits pränatal kleinwüchsig sind auch Föten, die unter Trisomie 21 beziehungsweise unter dem Downsyndrom leiden, wobei meist auch postnatal Wachstumsstörungen auftreten. Eine weitere genetische Mutation, die sich auf die Körpergröße auswirkt, ist die Achondroplasie. Es kommt hierbei zu einer Störung der Knorpelbildung, sodass es zu einer weitreichenden Einschränkung des Knochenwachstums kommt; es handelt sich hierbei meist um einen disproportionalen Kleinwuchs, da hauptsächlich nur Röhrenknochen betroffen sind. Sehr selten kann auch das Silver-Russell-Syndrom ursächlich für eine Wachstumsstörung des Kindes vorliegen. Hierbei werden die betroffenen Säuglinge bereits unterdurchschnittlich groß und schwer geboren, wobei durch eine verzögerte und ungleichmäßige Knochenreifung auch der nachfolgende Wachstumsverlauf stark vom Muster abweicht. Ebenfalls genetisch verursacht ist die Hypophosphatasie, die sich durch eine Störung im Knochenstoffwechsel – und damit im Skelettaufbau - äußert, sodass betroffene Kinder ebenfalls unter Kleinwuchs leiden.

 

Pränatale Umwelteinflüsse können sich ebenfalls auf das Wachstumsverhalten des Fötus auswirken. Hierzu gehört beispielsweise das fetale Alkoholsyndrom, wobei das Kind durch den Alkoholkonsum der schwangeren Mutter geschädigt wird. Erst postnatal wird dann eine Wachstumsstörung augenfällig, die sich in Kleinwuchs und Untergewicht äußert. Auch eine Plazentainsuffizienz, also eine Dysfunktion des Mutterkuchens der schwangeren Frau, kann zu einem pränatalen Kleinwuchs des Kindes führen. Außerdem ursächlich können eine Mangelernährung der Schwangeren oder pränatale Infektionen sein.

 

Endokrine (hormonelle) Störungen können ebenso eine Wachstumsstörung des Kindes verursachen. Meist liegt eine Störung in der Hypophyse vor, sodass es zu einem Mangel an Wachstumshormonen, wie beispielsweise Somatotropin, kommt. Auch eine Hypothyreose, verursacht durch eine Schilddrüsenunterfunktion, kann sich durch Kleinwuchs äußern, da ein Mangel an den Hormonen Trijodthyronin und Thyroxin vorliegt und so der Stoffwechsel verlangsamt verläuft. Hypercortisolismus, auch unter Cushing-Syndrom bekannt, ist ebenfalls eine endokrine Ursache für eine Wachstumsstörung. Hierbei liegt ein zu hoher Cortisolspiegel, begründet in einer Störung der Nebenniere, im Blut vor, der schließlich Hypogonadismus (Keimdrüsenunterfunktion) und damit das Ausbleiben der Pubertät sowie eine frühzeitige Osteoporose verursacht.

 

Zahlreiche chronische Erkrankungen lösen ebenfalls eine Wachstumsstörung aus. Hierzu gehört die Anämie, infolge derer es zu einem Sauerstoffmangel und der versuchten Kompensation des Körpers kommt, Herzfehler oder rheumatoide Arthritis. Auch chronische Niereninsuffizienz kann Ursache sein für eine Wachstumsstörung, da aus endokrinen Gründen der Knochenstoffwechsel eingeschränkt ist.

 

Defizite im Stoffwechsel haben ebenfalls entscheidenden Einfluss auf den Wachstumsverlauf und die Körpergröße. Bei der Mukopolysaccharidose werden nur verringert Glykosaminglykane abgebaut, weshalb es zu Störungen im zellulären Stoffwechsel – auch im Skelettsystem – kommt. Ein ähnlicher Defekt liegt bei Glykogenosen vor: Hier kann das im Körpergewebe gespeicherte Glykogen nicht in die verwertbare Glukose transformiert werden. Kleinwuchs ist deshalb typisch für diese Erkrankungen. Auch Diabetes mellitus verursacht häufig Wachstumsstörungen.

 

Infolge einer Mangelernährung ist Kleinwuchs ebenfalls keine seltene Folge. Durch Kalzium- oder Vitamin-D-Mangel kann so eine Rachitis, eine Störung des Knochenstoffwechsels, verursacht werden. Auch Unterernährung und Eiweißmangel sind verantwortlich für Wachstumsstörungen im Kindesalter.

 

Vor allem für Eltern erschwert sich oft die Erkennung einer pathologischen Ursache für das abweichende Wachstum des Kindes, da dieses auch nur Folge einer verzögerten Entwicklung oder einer generell genetisch bedingten geringeren Körpergröße sein kann. Es gibt jedoch Hinweise, um auf eine pathologisch begründete Wachstumsstörung schließen zu lassen. So kann beispielsweise ein (annähernder) Wachstumsstillstand, wobei das Kind weniger als drei bis fünf Zentimeter im Jahr wächst, ein erstes Anzeichen für einen atypischen und pathologisch verursachten Wachstumsverlauf sein. Sollte das Kind außerdem morgens nüchtern erbrechen oder über allgemeine Kopfschmerzen klagen, ist Vorsicht geboten, da dies Symptome krankheitlicher Natur sind. Überdurchschnittlicher Durst und Harndrang können darüber hinaus auf Störungen in der Niere und Stoffwechselerkrankungen sein.

 

Therapien

Da Wachstumsstörungen nur Folgeerscheinung verschiedener Ursachen sind, widmet sich die Behandlung meist den grundlegen Primärerkrankungen. So können beispielsweise bei Mangelernährung die benötigten Nährstoffe, wie Vitamin D oder Kalzium, in adäquater Dosis verschrieben werden. Bei endokrinen und/oder irreversiblen Störungen können zusätzlich Wachstumshormone verabreicht werden – das bietet sich beispielsweise auch bei Trisomie 21 an. Eine wirksame Therapie ist jedoch nicht immer verfügbar, wie beispielsweise beim bisher noch nicht erklärbaren, seltenen Silver-Russell-Syndrom.

 

Die psychosoziale Konsequenz einer diagnostizierten und eventuell extremen Wachstumsstörung ist dabei nicht zu unterschätzen. Die Involvierung des betroffenen Kindes in die Therapie und Mahnung zur disziplinierten Einhaltung der zur Behandlung notwendigen Maßnahmen ist sehr wichtig, damit das unter Kleinwuchs leidende Kind von Beginn an lernt, mit der Störung umzugehen und die Motivation nicht verliert. Vor allem für Jungs kann eine geringe Körpergröße eine psychische Belastung im Alltag sein, weshalb eventuell auch eine psychologische Hilfe hinzugezogen werden sollte.

 

 

Die Inhalte von Baby-lexikon dürfen kein Ersatz  für eine ärztliche Beratung oder Behandlung sein. Die Informationen dürfen nicht für eigene Diagnosen oder Behandlungen verwendet werden.

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