Sonntag, der 22.10.2017 - 10:05 Uhr
 
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Gute Nacht Geschichten: Geschwisterliebe
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[KINDERGESCHICHTEN GEDICHTE] Gute Nacht Geschichten: Geschwisterliebe

Geschwisterliebe

 

Vor vielen, vielen Jahren lebte die Familie Sonnentau in einem kleinen, ansehnlichen Dorf im Süden von Funkelland. Funkelland ist heute nicht mehr bewohnt, da die Menschen wegen eines schlimmen Erdbebens in ein anderes Land ziehen mussten. Früher war das Land jedoch immer gut angesehen und die Bewohner fühlten sich dort sehr wohl. Es gab kaum ein Eckchen, in dem keine Blumen in voller Pracht blühten. Wo man auch hinsah, überall konnte man dunkelrote, spitze Blüten, goldbraune, geschwungene Blätter und grün strahlende Bäume erkennen. Die Wege schlängelten sich zwischen den Wiesen, Feldern und den Parks kurvenreich zu den Häuser der Menschen. Kleine Brücken zierten die blau schlimmernden Seen, in denen stets Enten, Gänse und andere Wasservögel schwammen.

 

In der Nähe der beeindruckenden Kiche, die im Jahre 1712 auf dem Marktplatz erbaut worden war, wohnte die Familie Sonnentau in einem kleinen Häuschen. Spaziergänger, die an dem Haus vorbei kamen, mussten oft schmunzeln, da das Haus einen riesigen Schornstein hatte, welcher viel zu groß geraten war. Dennoch: Die Familie hatte viele Freunde und einen großen Bekanntenkreis. Mama Erika hatte vor einigen Jahren zwei Kinder zur Welt gebracht: Zuerst kam Felix und zwei Jahre später folgte Julia. Erika und ihr Ehemann Richard waren stolz auf ihre beiden Kinder, die bereits zur Grundschule gingen und immer gute Noten mit nach Hause brachten. Julia spielte Blockflöte und durfte damit sogar schon einmal bei einer Feier in der Schule auftreten. Sie übte immer fleißig und wurde von Tag zu Tag besser. Ihr Bruder Felix dagegen war sehr unmusikalisch und beschäftigte sich lieber an der frischen Luft und unternahm dort viel mit seinen Freunden.

 

Eines Tages studierte Julia im Wohnzimmer ein neues Lied auf der Blockflöte ein. Das Mädchen stand aufrecht vor ihrem Notenständer und folgte langsam den abgebildeten Noten. Eine traumhafte Melodie! Sehr tragend und ruhig, aber man konnte sich die Melodie schnell einprägen und hatte das Lied schon nach kurzer Zeit pfeifend auf den Lippen getragen. Plötzlich schlich sich Felix auf Zehenspitzen an seine Schwester heran, gab keinen Laut von sich und stand einen Moment hinter ihr. Als sie ihr Instrument einen Moment von den Lippen nahm, ergriff Felix die Chance und schnappte sich die Flöte. "Hey, gib das wieder her! Das ist meine Flöte!", kreischte Julia. Ihr Bruder lachte und blies laut in die Flöte, anschließend sagte er: "Das hast Du nun davon, dass Du mich gestern ausgelacht hast, als ich mit meinen Freunden draußen war und hingefallen bin!". "Gib sie wieder, sonst hol' ich Mama!", schrie das Mädchen. Doch ehe sie sich umschauen konnte, rannte Felix mit der Flöte weg. Julia folgte ihm und bewarf ihn mit den Kissen, die auf dem dunkelblauen Sofa im Wohnzimmer lagen. Der Junge befahl ihr in herrschendem Ton: "Lass' es besser sein, sonst ist Deine blöde Flöte gleich kaputt!". Er hatte ein nahezu triumphierendes Grinsen im Gesicht, als seine Mutter ins Zimmer kam, ihm das Instrument aus den Händen riss und sie ihrer weinenden Tochter zurück gab.

 

Wie man sieht, gab es häufig Streit zwischen dem 9-jähigen Felix und seiner 2 Jahre jüngeren Schwester Julia. Doch es lag nicht immer an dem Jungen! Auch Julia begann oft damit, ihren Bruder zu ärgern, ihn auszulachen und zu necken. Es ging jahrelang so weiter und die beiden haben sich nur selten vertragen. An einem sonnigen Mittag im Juni zum Beispiel, fing das Mädchen beim Mittagessen plötzlich an, Felix mit Kartoffeln zu bewerfen. Sie fand es witzig, ihr Bruder dagegen wurde wütend und schmiss eine Hand voll Erbsen und Möhren zurück. Ihre Eltern waren sehr verärgert darüber und gaben den beiden drei Tage Hausarrest, weil sich soetwas einfach nicht gehört. "Mit Essen spielt man nicht!", sagte Erika mit erhobenem Zeigefinger und war ganz aufgebracht. Die Geschwister schauten sich böse an und sprachen den Rest des Tages nicht mehr miteinander. Einige Tage später versteckte Felix die Blockflöten-Noten seiner Schwester - kurz bevor sie anfangen wollte für das Schulfest zu üben. Aus Rache versteckte sie seinen Fußball - und so ging es den ganzen Tag weiter. Immer größere und wichtigere Dinge wurden versteckt oder sogar im Garten neben dem Hundehäuschen, welches auf dem braunen Dach mit gelben Blüten geschmückt war, verbuddelt. Nach wenigen Tagen war das Ganze allerdings vergessen und es wurde wieder ruhiger im Hause Sonnentau.

 

Es waren viele Monate vergangen, bis auch Erika und Richard oft gestritten hatten. Sie haben sich einfach nicht mehr gut verstanden, hatten viele Auseinandersetzungen und oft gab es auch Missverständnisse. Die beiden stritten jedes Mal wegen Kleinigkeiten, die im Grunde genommen gar nicht schlimm waren. Ihre Kinder litten sehr darunter, waren traurig, dass ihre Eltern nicht mehr gut miteinander auskamen und hatten Angst davor, dass sie voneinander getrennt werden würden. Felix und Julia hielten sich fest, lagen sich in den Armen und weinten vor Traurigkeit. "Du, Julia", flüsterte Felix, "Wir streiten uns aber auch sehr oft. Aber wir haben uns doch trotzdem lieb, oder?". Seine Schwester nickte und bejahte seine Frage: "Natürlich hab' ich Dich lieb!". Die beiden redeten miteinander, wussten nun, dass sie zueinander halten und gingen danach entschlossen auf ihre Eltern zu. "Mama, Papa, wir möchte mit Euch sprechen.", sagten die beiden fast zur selben Sekunde. Richard und Erika waren überrascht und hörten sich alles an, was die Kinder zu sagen hatten. Ihnen wurde klar, dass die beiden die Anspannungen bemerkt hatten und dass sie darüber sehr unglücklich waren. Genau wie Felix und Julia zuvor ein Gespräch führten, sprachen sich auch die Eltern am Abend ganz in Ruhe aus. Sie versuchten eine Erklärung für die Streitereien zu finden, während sie eine heiße Tasse Pfefferminztee tranken. Richard sagte lächelnd: "Da haben wir ja sogar noch etwas von unseren Kleinen gelernt! Hätten sie uns nicht gezeigt, dass man trotz Streit zusammengehört, würden wir uns wahrscheinlich immer noch anbrüllen und die Kinder damit traurig machen!". Am Ende kamen sie zu dem Schluss, dass es gar nicht nötig ist, ständig aneinander zu geraten, wenn man vorher genau darüber nachdenkt, was man sagt und nicht voreilig wütend oder laut wird.

 

Schon am folgenden Tag spürten Julia und ihr Bruder, dass ihre Eltern wieder liebevoller miteinander umgingen. Den beiden tat es gut zu sehen, dass ihre Eltern sich wieder anlächelten und sich zwischendurch sogar einen kurzen Kuss gaben. Und auch bei ihnen selbst hat sich etwas verändert: Sie neckten sich zwar noch immer täglich, aber danach lächelten sie sich an und wussten, dass sie nur Spaß machten. Und vor allen Dingen war ihnen klar, dass sie sich lieb haben und dass dies auch der größte Streit niemals zerstören würde.

 

Und so lebte die Familie Sonnentau bis an ihr Lebensende glücklich und zufrieden in Funkelland - dem Land, in dem man durch diese liebevolle und chaotische Familie gelernt hat, dass man immer zusammenhalten sollte, ganz gleich welche Missverständnisse, Auseinandersetzungen und Diskussionen es gibt. Wer wirklich zusammengehört, wird in schwierigen Zeiten immer füreinander da sein, zuhören und auf der Seite des anderen stehen.

 

 

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